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Was ist Ju-Jutsu?

Ju-Jutsu stellt kein traditionelles System dar, sondern ist aus einer Zusammenstellung verschiedener Kampfkünste entstanden, was allerdings auch in Asien eine jahrhundertealte und vielgeübte Tradition hat. Die Einzeltechniken sind dem Straßenkampf angepasst und verschmelzen durch gemeinsame Bewegungsformen zu einer Einheit. Hierdurch ist es möglich, so unterschiedliche Kampfkünste wie Judo, Karate und Aikido zu vereinen.

Geschichte des Ju-Jutsu

Unser heutiges Ju-Jutsu lässt sich auf die lange Tradition des Jiu-Jitsu zurückführen. Dieses japanische Selbstverteidungssystem entwickelte sich aus Verteidigungstechniken, welche die Kampfkünste der Samurai ergänzten. Verlor ein Krieger seine Waffen, musste er sich auch waffenlos verteidigen können. In Japan der Feudalzeit existierten bereits einige Vorläufer solcher Verteidigungskünste, die allen ihren Eingang in das Jiu-Jitsu fanden und im Jahre 1650 kam der Chinese Tsin Gembin nach Japan um dort eine Kampfkunst zu lehren, die dem Jiu-Jitsu schon sehr ähnlich war. Als der japanische Arzt Yoshitoki in China die Kunst des waffenlosen Zweikampfes erlernte, stellte er fest, dass zur Ausführung oft hohe Körperkräfte erforderlich waren. Zurück in Japan, beobachtete er an einem Wintertag mit besonders starkem Schneefall einen Kirschbaum und eine Weide. Die starren Äste des Kirschbaums brachen unter der Last, während sich die Äste der Weide geschmeidig bogen und unbeschädigt blieben. Entsprechend der alten Tradition der chinesischen Shaolin-Mönche, welche aus Natur- und Tierbeobachtungen ihre Kampfkünste schufen, entwickelte Yoshitoki, durch seine Beobachtung aufmerksam geworden, ein Kampfsystem bei dem der Schwächere durch Nachgeben einen stärkeren und schwereren Gegner besiegen konnte. Das Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ (entsprechend dem „Geist der Weide“) war geboren und findet sich noch heute im Begriff Ju-Jutsu (Ju = sanft, weich, flexibel; Jutsu = Kunst, Fertigkeit) wieder. Im 20. Jahrhundert wurde die japanische Selbstverteidigung weltweit unter dem Namen Jiu-Jitsu bekannt. 1906 gründete Erich Rahn in Berlin die erste Jiu-Jitsu-Schule Deutschlands, die noch heute existiert. Er trat sogar im Zirkus auf, um dort gegen jeden Herausforderer zu kämpfen.  Als im Jahre 1907 zwei japanische Kreuzer zu einem Flottenbesuch nach Deutschland kamen und bei dieser Gelegenheit Jiu-Jitsu als Selbstverteidigung vorführten, war der anwesende Kaiser Wilhelm II. davon so angetan, dass er für die Militärturnanstalt in Berlin den Japaner Agitaro Ono als Jiu-Jitsu-Lehrer einstellen ließ. Rahns Schüler Alfred Rhode und Max Hoppe gründeten 1922 die ersten Vereine in Frankfurt und Berlin.
Aufgrund der Gefährlichkeit vieler Jiu-Jitsu-Techniken war es nicht für den Wettkampf geeignet. Deshalb isolierten einige japanische Meister Teile ihrer Kunst und schufen so neue, sportlich orientierte Kampfkünste. Dabei entstanden u.a. die heutigen Formen von Judo und Karate.
Das eigentliche Jiu-Jitsu verlor durch das Vordringen der neuen Kampfkünste an Bedeutung, profitierte aber nach dem 2. Weltkrieg auch von deren Popularität.
Der Einfluß der Kampfsportarten, aber sicher auch das allgemeine gesellschaftliche Klima des Umbruchs führte 1968 dazu, dass der Deutsche Judo Bund einige Meister aufforderte, ein wirksames Selbstverteidigungssystem zusammen zu stellen, dass auch zum Ausbildungsprogramm der Polizei gehören sollte.
So fasste man Elemente aus den Kampfkünsten Judo, Karate und Aikido zusammen und nannte diese moderne Variante des Jiu-Jitsu nun Ju-Jutsu. Dies geschah nicht, um sich über die weiterhin existierenden Jiu-Jitsu-Stile zu stellen sondern um es als gesetzlich geschützte Variante zu kennzeichnen. Ferner ist dies auch der bereits im 17.Jahrhundert gebräuchliche Name gewesen.
Ju-Jutsu als Selbstverteidigungsmethode unterliegt ständigem Wandel und Verbesserungen, die sich auch aus den Erfahrungen der Polizei ergeben. Techniken, die sich als unrealistisch erweisen, werden aus dem Programm gestrichen. Solche, die sich bewährt haben (auch in anderen Kampfkünsten) werden hinzugefügt. So kommt es, dass sich im heutigen Ju-Jutsu auch Techniken aus dem Wing Tsun oder dem philippinischen Stockkampf Arnis finden.
Die heutigen Grundtechniken des Ju-Jutsu ähneln kaum noch den Ursprungstechniken aus Judo, Karate und Aikido und sind mehr und mehr zu einer harmonischen Einheit verschmolzen.
1990 schied die Sektion Ju-Jutsu aus dem Deutschen Judo Bund aus und wurde eigenständig als Deutscher Ju-Jutsu Bund ( DJJV ) mit über 40 000 Mitgliedern.
Prüfungsordnung, Wettkampfregeln und Satzung werden ständig überarbeitet und modernisiert.
Der DJJV ist außerdem Mitglied im Deutschen Sportbund und in der Internationalen Jiu-Jitsu Föderation.